„Es ist noch nicht vollendet…“ Demokratie braucht Feminismus!

Das 4. Schwerter Frauenmahl in der St. Viktor-Kirche (Foto: Nicole Richter)

Schwerte. Was Frauen vor 100 Jahren mühsam politisch erkämpft haben, scheint heute fast selbstverständlich: Frauen dürfen in Deutschland wählen und sich wählen lassen. Dass damit aber noch nicht alles gleichberechtigt ist in unserer Demokratie, daran erinnert das Zitat der Frauenrechtlerin und Pazifistin Minna Cauer (1841-1922), die sich vor 100 Jahren für das Frauenwahlrecht stark gemacht hat. „Es ist noch nicht vollendet! Demokratie braucht Feminismus“, lautete deshalb auch der Titel des vierten Schwerter Frauenmahls, zu dem 140 Frauen am Freitag, dem 6. September 2019, zusammenkamen.

In der besonderen Atmosphäre der St. Viktor-Kirche saßen sie an langen Tafeln und diskutierten über Politik, Sprache und Rechtspopulismus. Während eines vegetarischen 3-Gänge-Menüs kamen die Besucherinnen über das Gehörte miteinander ins Gespräch und genossen in den Pausen die Musik von Kantorin Clara Ernst und Gisela Halbach.

Die Reden hielten vier bekannte Frauen:

Dr. Antje Schrupp, Politikwissenschaftl­erin, Journalistin, Bloggerin aus Frankfurt thematisierte die Situation von Gleichheit und Ungleichheit in unserer Demokratie und zeigte aktuelle Baustellen auf, die es weiterhin zu bearbeiten gilt. „Demokratie braucht Feminismus, weil Frauen wissen, wie man mit Ungleichheit umgeht“, so ihre These. Ungleichheit würden Frauen alltäglich erleben und müssten mit ihr umgehen. Es wäre an der Zeit nun nicht mehr länger nur mitzumachen, sondern bewusst anders zu machen. „Raus aus dem Privaten – rein ins Politische!“ In ihrem Blog schreibt Antje Schrupp regelmäßig zu feministisch aktuellen Themen und bringt sich so als Feministin in den gesellschaftlichen Diskurs ein.

Die Moderatorin, Filmproduzentin und Bestseller-Autorin Mo Asumang aus Berlin machte in ihrem Redebeitrag deutlich, wie sie sich gegenüber rassistischen Parolen und rechtem Hass positioniert und es schafft, ihre Angst in Mut zu verwandeln. In ihrem Buch „Mo und die Arier“ beschreibt sie eindrücklich ihre Erlebnisse mit Neonazis weltweit. „Ich habe Fragen gestellt und wollte den Menschen ehrlich begegnen.“  Ihr Appell für eine lebendige Demokratie lautet: „Setzen Sie auf ehrliche Begegnung in Offenheit und Liebe und gehen Sie in Resonanz mit dem Gegenüber!“.

Wie sprechen wir? Wen benennen wir und wen ignorieren wir mit unserer Sprache? Und wie können Sprache und Populismus zusammenwirken? Dazu verfasste Prof. Dr. Caroline Heinrich, Autorin, Philosophin aus Paderborn/ Mainz ihre Tischrede. Sie erinnerte daran, dass mit Hilfe von Sprache ein Nährboden für Menschenfeindlichkeit kreiert werden kann. „Demokratie braucht Frauen, die mutig und entschlossen auf die Verschiebung von sprachlichen Grenzen aufmerksam machen“, so Prof. Dr. Heinrich.

Dagmar Schönleber, Kabarettistin und Musikerin aus Köln, warf einen humoresken Blick auf die Themen „Demokratie und Feminismus“. Seit fast zwanzig Jahren ist sie im Comedybereich aktiv. Bekannt wurde sie u.a. durch ihre Auftritte in Frau Jahnkes „Ladies Night“ (WDR / ARD). „Irritieren Sie! Seien Sie Sand im Getriebe! Wagen Sie die Revolution – das geht auch in Teilzeit!“, rief sie den Teilnehmerinnen entgegen.

Neben den aktuellen Tischreden war es der Schirmherrin Martina Espelöer, Superintendentin im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn, wichtig, dass das Frauenmahl wieder barrierefrei gestaltet war und auch Frauen mit Beeinträchtigung teilnehmen konnten. Dazu wurden u.a. die Reden im Vorfeld in Leichte Sprache übersetzt.  

Mandy Brösner, Referentin für Leichte Sprache der Netzwerk Diakonie, hatte dazu im Vorfeld mit Fachmenschen die Reden in Leichte Sprache übersetzt und den Inhalt zusätzlich mit Bildern ausgedrückt. So konnten alle Teilnehmerinnen die Reden in Leichter Sprache an Bildschirmen in der Kirche mitverfolgen und nachlesen.

 

Die Veranstaltung war eine Kooperation eines breiten Frauenbündnisses: 

  • Martina Espelöer, Superintendentin des Ev. Kirchenkreises Iserlohn und Schirmherrin des Frauenmahls
  • Ruth Hansen, Pfarrerin für Frauenarbeit im Ev. Kirchenkreis Iserlohn
  • Gaby Bach, Margret Held, Sybille Mann, Frauenausschuss im Ev. Kirchenkreis Iserlohn
  • Nicole Richter, Frauenreferat der Ev. Kirche von Westfalen
  • Beate Jarzombek, Beratungsstelle für Menschen mit Beeinträchtigungen in der Netzwerk Diakonie der Diakonie Mark-Ruhr
  • Birgit Wippermann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schwerte
  • Aynur Akdeniz, Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt Schwerte
  • Petra Vennewald, WIR Unternehmerinnen, Schwerte
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