Spielerisch die Natur entdecken

Es gibt viele gute Gründe für einen Waldkindergarten: Im Wald können Kinder ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben, sie entwickeln ihre Feinmotorik und Wahrnehmung. Ihr Immunsystem wird in der Natur gestärkt und die Kreativität angeregt. Zudem: Gerade in der heutigen Zeit der auditiven und visuellen Reizüberflutungen stellt das Erleben der Natur einen sinnvollen und wichtigen Gegenpol für Kinder dar. Warum also nicht auch eine Waldgruppe im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn? Gesagt - getan. Am 26. August 2019, dem ersten Tag des neuen Kindergartenjahres, war es dann soweit, als die Waldgruppe des Evangelischen Kindergarten Knerling ihre Arbeit aufnahm.

„Back-to-nature“ – dieser Slogan passt perfekt zu der Waldgruppe und dementsprechend groß war auch die Nachfrage in Zeiten von digitalen Medien und Reizüberflutung. „Auch wenn wir die Waldgruppe erst Anfang Mai beworben haben, war die Anfrage überraschend groß“, erinnert sich Leiterin Inge Harneid. Die Gruppe sieht bis zu 20 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren vor, die von 7 bis 14 Uhr größtenteils in der Natur ihren Tag verbringen. Gerade in den Herbst hinein gibt es in der Natur viel zu entdecken oder diverse Naturmaterialien, die sich zum Basteln anbieten. Herkömmliches Spielzeug wird man in der Waldgruppe hingegen nicht finden. Bewusst soll auf Plastik verzichtet werden. Stattdessen sind die „Spielzeuge“ vielmehr Arbeitsgeräte wie kleine Metallschaufeln, schließlich haben die kleinen Entdecker allerhand vor. Aktionen und Projekte zu verschiedenen Bildungsbereichen werden im Lernort Wald angeboten. 

Ein wichtiger Bestandteil der Waldgruppe sind auch die beiden Bauwagen, die auf dem ehemaligen Bolzplatz stehen. Einer davon dient auch als Rückzugsort zum Ausruhen. Entspannen können die Schützlinge auch in Hängematten, die noch aufgehängt werden. Des Weiteren wird es einen Grill zum Verpflegen sowie verschiedene Gruben zum Spielen geben. In der Sand- und Matschgrube kann dann nach Herzenslust gebuddelt und gematscht werden. In der benachbarten, alten Grundschule entsteht derzeit ein sogenannter Schutzraum unter anderem mit Sanitärbereich, Küche und Garderoben. Falls das Wetter einen Aufenthalt im Freien einmal gar nicht zulässt, findet die Gruppe hier in einem kleinen Gruppenraum Schutz. Außerdem können die Kinder hier im Sommer essen, wenn draußen die Zeit der Wespen ist. Begleitet werden die Kinder von speziell geschulten Fachkräften.

Das Konzept des Waldkindergartens ist nicht neu. Der erste Waldkindergarten wurde 1953 in Dänemark von Ella Flatau gegründet. Sie hielt sich mit ihren eigenen Kindern täglich längere Zeit im Wald auf, um mit ihren Kindern zu spielen und nahm darüber hinaus andere Kinder zur Betreuung auf. Daraus entwickelte sich eine Elterninitiative, die gemeinsam einen Waldkindergarten gründete. In Deutschland kam es erst in den 1990er Jahren zu größeren Gründungen von Waldkindergärten oder Waldgruppen. Heute gibt es laut Bundesverband NW 1.500 Natur- und Waldkindergärten in Deutschland.

Am Donnerstag, dem 19. September 2019, um 14 Uhr wird die erste Waldgruppe in Altena offiziell eröffnet. Dazu werden Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein und Superintendentin Martina Espelöer erwartet. Das Team der Waldgruppe freut sich, bei einem Umtrunk mit Eltern und weiteren Interessierten ins Gespräch zu kommen.

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