200 Jahre Evangelischer Kirchenkreis Iserlohn

Der Evangelische Kirchenkreis feierte sein 200-jähriges Jubiläum am 14. November 2018 mit einem Fest-Gottesdienst in der Obersten Stadtkirche Iserlohn, direkt im Anschluss an seine Herbst-Tagung. Der Weg vom Varnhagenhaus, in dem die Tagung statt fand, zur Obersten Stadtkirche gestalteten die rund 130 Synodalen der Kreissynode gemeinsam. Wie in einer Prozession zog sich der Zug der Delegierten durch die Innenstadt, die sie mit ihrem Gesang bekannter kirchlicher Lieder (von Taizé- bis Kirchentagslieder) erfüllten. In der Kirche angekommen, legten Vertreter jeder der 25 Kirchengemeinden, der Synodalen Dienste, der Diakonie sowie der Verwaltung Gegenstände, die ihren jeweiligen Bereich symbolisieren, in ein rotes Kanu, das auf den Stufen zum Altarraum aufgestellt wurde. Denn das Motto des lebendigen und gar nicht antiquierten Gottesdienstes war das "Schiff, das sich Gemeinde nennt" - ebenfalls ein bekanntes Kirchenlied.

 

 

Superintendentin Martina Espelöer mit Superintendent i. R. Heinz-Dieter Quadbeck
"Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt" war das Motto des Festgottesdienstes

Das Boot, das von den Kirchengemeinden und den kreiskirchlichen Arbeitsbereichen mit ganz unterschiedlichen Gegenständen aus dem kirchlichen Leben gefüllt wurde, steht für die Kirche - hier den Kirchenkreis - im Spiegel der (Ge)-Zeiten: Das Boot, die Kirche, ist in Bewegung, in Veränderung und ausgestattet mit einer starken Mannschaft. Auf Kurs und mit einem Ziel, zu Jesus Christus hin, der zugleich ihr Steuermann ist, dies wurde auch in den Auslegungen und Impulsen deutlich, die von Superintendentin Martina Espelöer, Pfarrer Tom Damm, Pfarrerin Ruth Hansen und Pfarrerin Gabriele Bach gegeben wurden.

Kirchliche Herausforderungen in den Blick genommen

Die kirchlichen Herausforderungen in Gegenwart und Zukunft wurden an diesem Jubiläum nicht ausgespart. „Ist die Parochie noch ein Modell für die Zukunft? Und braucht es nicht verschiedene Formen von Gemeinden?“, fragte Pfarrerin Ruth Hansen an diesem Abend. Es ist ihr Wunsch für den Kirchenkreis, in Freiheit neue Modelle versuchen zu können, auch wenn nicht unbedingt klar ist, wohin der Weg damit führe. „Vielleicht gibt es sogar eine Zeitlang mehr Fragen als Antworten“, meinte die Beauftragte für Frauenarbeit im Kirchenkreis Hansen. Gabriele Bach, Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Ihmert/Bredenbruch und mit einem Teil zuständig für die Stadtkirchenarbeit in Hemer, lenkte den Blick in ihrem Beitrag auf die Menschen, die – um im Bild zu bleiben – „von außen ins Boot steigen wollen und uns und unsere Traditionen in Frage stellen“. Wie gehen wir mit ihnen um? Wie binden wir sie ein? Wie gehen wir auf sie zu? Und: Sehen wir sie als Bereicherung?, waren hier einige ihrer Fragen.

Geschwisterlichkeit: Verbunden in Glaube, Liebe, Hoffnung

Tom Damm, Stadtkirchenpfarrer der Kirchengemeinde Schwerte, betonte bei allen Fragen die Geschwisterlichkeit, wie sie Paulus im 1. Korintherbrief in das Bild von dem Körper und den vielen Gliedern kleidet. „Wir sind viele Glieder an dem einen Leib Christi, verbunden in Glaube, Liebe, Zuversicht“, sagte Tom Damm.

Superintendentin Martina Espelöer lenkte bei allen Fragen, die die Kirche bewegt, den Blick auf Jesus Christus: „Die ‚Kirche mit Zukunft‘ vermag den Trost nicht zu bringen, nicht einmal die ‚Kirche der Freiheit‘. Nur Jesus“, sagte die leitende Theologin des Kirchenkreises. Und legte das Gleichnis der Sturmstillung aus dem Markusevangelium aus: „Sogleich stand Jesus auf gegen die Angst der Jünger, bedrohte den Wind und das Meer, und die Wellen legten sich. Durch sein Wort entstand eine große Stille, Ruhe zum Atmen. Freiraum, den anderen und sich selbst zu sehen, zu hören - und das Ruder umzulegen." Und mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft: "Die Rückbindung an sein Evangelium in allen Fragen wird uns navigieren, nicht ohne Sturm, aber ohne Furcht", sagte Superintendentin Martina Espelöer.

Rückblende: Wie alles begann

Es war fast auf den Tag genau vor 200 Jahren, als am 5. November 1818 15 Pfarrer in der Sakristei der Obersten Stadtkirche Iserlohn zur ersten Sitzung des „Diöcesan Convent“, wie die Kreissynode damals hieß, zusammenkamen (siehe Foto: Protokoll der ersten Sitzung). Ein paar Monate zuvor, am 9. Juli 1818, wurde der Kirchenkreis durch Verfügung des königlich Preußischen Konsistoriums gegründet.

Heute besteht die Kreissynode, das „Parlament“ und höchste Leitungsorgan des Evangelischen Kirchenkreises, aus Männern und Frauen, Haupt- und Ehrenamtlichen. Vertreten sind Presbyter und Presbyterinnen, Pfarrer und Pfarrerinnen sowie Fachvertreter und Fachvertreterinnen der synodalen Dienste und Ausschüsse. Zur Kreissynode gehören rund 130 Mitglieder. Sie wird geleitet von der Superintendentin sowie dem Kreissynodalvorstand. Die Kreissynode tagt zweimal jährlich. Die Tagungen der Kreissynode sind öffentlich.

Bilderstrecke: Kirchengemeinden, Synodale Dienste, Diakonie und Verwaltung - Ein Boot, das sich Gemeinde nennt