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„Niemand soll vergessen sein!“ Votum zum "Tag des Flüchtlings 2017"

Pfarrer Dr. Matthias Hoof

Heute, am 29.09., ist der „Tag des Flüchtlings“. Ein Gedenktag, der daran erinnern soll, dass sich immer noch geschätzte 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht befinden. Ein Tag, der sich aber auch gegen das Vergessen richtet. Das Vergessen derjenigen, die es nicht in ein sicheres Land geschafft haben. Die auf der Flucht ums Leben gekommen sind. Oder die unter Bedingungen leben müssen, die wir uns nicht ansatzweise vorstellen können.

Vergessen worden zu sein – ein geradezu unerträgliches Gefühl. Termine und Aufgaben können aus dem Blick geraten, aber als Mensch vergessen zu werden, das ist schlimm. Vor der Bundestagswahl wurde öffentlich über diejenigen geredet, die den Eindruck haben, mit ihren Bedürfnissen und Sorgen von der Politik nicht mehr wahrgenommen zu werden. Gefühlt benachteiligt auch angesichts der vielen Geflüchteten, die in hier Schutz und Versorgung gesucht haben. Droht die Flüchtlingsthematik das Land zu spalten? Als Kirchen laden wir ein, gemeinsam über solche Fragen zu reden.

Wer aber sind denn die Vergessenen? Sind es nur diejenigen, die sich abgehängt fühlen vom allgemeinen Wohlstand und Reichtum? Oder sind es nicht auch jene, die erst gar nicht in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gelangen? Die vielen Namenlosen und Gesichtslosen? Die seit Jahren in grauenhaften Massenlagern oder Gefängnissen ein elendes, menschenunwürdiges Dasein fristen? In Libyen, Bangladesch, in der Türkei und an vielen anderen Orten dieser Erde, selbst in Europa. Bestenfalls geduldet, oftmals sogar noch ausgebeutet oder versklavt. Keinesfalls aber willkommen.

Vergessen werden meist auch die Vielen, die beim Versuch, ihrer elenden Lebenssituation zu entkommen, ihr Leben verloren haben. Rund 5.000 „Bootsflüchtlinge“ sind im vergangenen Jahr im Mittelmeer ertrunken. Frauen und Männer, Kinder und Alte. Die Außengrenze der europäischen Union, die Grenze unseres Kontinents ist zur tödlichsten Grenze der Welt geworden. Weil legale Zuwanderung verhindert wird und skrupellose Schlepper dies gnadenlos ausnutzen.

Zu den Vergessenen gehören auch diejenigen, die noch immer Kriegshandlungen und Terrorakten ausgesetzt sind, weil ihnen aufgrund einer geänderten Flüchtlingspolitik der Familiennachzug verweigert wird. Und wie schlimm muss es sein, in ein Land, in dem Terror und Gewalt an der Tagesordnung sind, zurückgeschickt zu werden? Weil es dort Regionen gibt, die hier als sicher eingestuft werden. "Flüchtlingsrechte sind Menschenrechte" ist darum aus gutem Grund das Motto des heutigen „Tages des Flüchtlings“. Weil sogar diese Selbstverständlichkeit oftmals aus dem Blick zu geraten droht.

Begehen wir diesen „Tag des Flüchtlings“ auch als Tag gegen das Vergessen. Rufen wir diejenigen in Erinnerung, an die sonst keiner denkt und die keine Stimme haben. Christinnen und Christen wissen sich dabei getragen und getröstet von ihrem Glauben, dass bei Gott niemand und nichts vergessen ist, auch wir selbst nicht. Denn Gott sagt: „Ich werde dich niemals vergessen!“ (Jesaja 49, 15, Elberfelder Bibel).

Jens Keienburg
Pfarrer Matthias Hoof
Beauftragte für die Arbeit mit Geflüchteten Menschen im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn

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