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Frauenmahl mit Reformatorinnen: „Wir können auch anders!“

Foto (1): Silvia Rinke, Foto (2): Nicole Richter
Foto (1): Silvia Rinke, Foto (2): Nicole Richter

130 Frauen kamen am Freitag, 1.9.2017 in der St. Victor Kirche in Schwerte zusammen, um gemeinsam das dritte Frauenmahl im Ev. Kirchenkreis Iserlohn zu feiern. An langen Tafeln saßen sie in der besonders ausgeleuchteten und festlich gestalteten Kirche und ließen sich von Ruth Hansen, Pfarrerin für Frauenarbeit und Aynur Akdeniz, Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt Schwerte, durch den Abend führen. „Dieses Frauenmahl ist ein Zeichen gelebter und geteilter Vielfalt!“, betonte Ruth Hansen gleich zu Beginn der Veranstaltung, denn zum ersten Mal seien muslimische Frauen sowohl an der Vorbereitung beteiligt als auch unter den Besucherinnen. Darüber hinaus war den Veranstalterinnen wichtig, dass das Frauenmahl wieder barrierefrei gestaltet war und Frauen mit Beeinträchtigung teilnehmen konnten.

Dazu wurden zum einen räumliche Anpassungen vorgenommen und zum ande-ren die Reden im Vorfeld in Leichte Sprache übersetzt. Mandy Brösner, Referentin für Leichte Sprache im Netzwerk Diakonie Mark Ruhr, erklärte in der ersten Tischrede die Bedeutung der Leichten Sprache als Mittel zu gerechten Teilhabe für alle. „Leichte Sprache hilft beim Verstehen, erklärt Fremdwörter und Fachbegriffe in kurzen, knappen Sätzen mit erklärenden Bildern“, so Mandy Brösner. Über zwanzig Frauen aus den Einrichtungen der Diakonie Mark Ruhr waren unter den Teilnehmenden und konnten die Reden in Leichter Sprache an Bildschirmen in der Kirche mitverfolgen und nachlesen.

Zweite Rednerin des Abends war die aus TV- und Internet bekannte Bloggerin und feministische Aktivistin Anne Wizorek aus Berlin. Bekannt wurde Anne Wizorek bereits 2013 durch ihre Internetaktion #Aufschrei und 2015/2016 mit dem Hashtack #Ausnahmslos gegen Sexismus und Rassismus. Durch ihre Internetaktionen schürte sie eine breite Debatte um die alltägliche sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen in Deutschland. In ihrer Tischrede „Mein Wort im Netz – Feminismus und Neue Medien“ thematisierte sie die Bedeutung des Internets und der neuen Medien für die aktuelle feministische Diskussion. Wizorek sieht in den neuen Medien eine gute Möglichkeit die Gedanken der älteren Feministinnen, die häufig offline unterwegs sind, mit den Ideen der jüngeren Feministinnengeneration zu verknüpfen. Bei den vielen positiven Aspekten, die die Vernetzung mit sich bringt, erwähnte sie aber auch die Gefahr der Angriffe aus dem Netz. Am Ende ihrer Tischrede appellierte sie: „Ich muss Teil des Wandels sein, wenn ich die Welt verändern will.“ Anschließend diskutierten die Teilnehmerinnen engagiert über die gehörten Thesen.

Dritte Frauenmahl-Rednerin war Smiljana Hesse, Leiterin des vor ca. einem Jahr gegründeten Mädchenhauses „Mäggie“ in Herdecke. Sie stellte in ihrer Rede die Arbeit des Mädchen-hauses vor, in dem traumatisierten Flüchtlingsmädchen ein Lebens- und Schutzraum geboten wird. Als Reformatorin „von gestern“ erweckte Kabarettistin Sabine Henke die Frau Martin Luthers zum Leben. Als Katharina von Bora gab sie Einblicke in das Leben mit dem bedeutenden Reformator und in ihre gesellschaftliche und politische Rolle in der Zeit der Reformation. Die einzelnen Gänge des Festmahls wurden von dem Familienunternehmen Nieder aus Ostwig vorbereitet und serviert. Musikalisch gerahmt wurde die Veranstaltung durch Clara Ernst, Kantorin der Ev. Kirchengemeinde Schwerte am Klavier und Gisela Halbach an der Querflöte.

Text: Nicole Richter, Frauenarbeit der Ev. Kirche von Westfalen, Villigst

Weitere Informationen zur bundesweiten Initiative Frauenmahl unter www.kircheundgesellschaft.de/frauenreferat oder www.frauenmahl.de.

 

 

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