Frauenmahl 2017

130 Frauen kamen am 1. September in der St. Victor Kirche in Schwerte zusammen, um gemeinsam das dritte Frauenmahl im Ev. Kirchenkreis Iserlohn zu feiern. An langen Tafeln saßen sie in der besonders ausgeleuchteten und festlich gestalteten Kirche und ließen sich von Ruth Hansen, Pfarrerin für Frauenarbeit und Aynur Akdeniz, Vorsitzende des Integrati-onsrates der Stadt Schwerte, durch den Abend führen. „Dieses Frauenmahl ist ein Zeichen gelebter und geteilter Vielfalt!“, betonte Ruth Hansen gleich zu Beginn der Veranstaltung, denn zum ersten Mal seien muslimische Frauen sowohl an der Vorbereitung beteiligt als auch unter den Besucherinnen. Darüber hinaus war den Veranstalterinnen wichtig, dass das Frauenmahl wieder barrierefrei gestaltet war und Frauen mit Beeinträchtigung teilnehmen konnten. Dazu wurden zum einen räumliche Anpassungen vorgenommen und zum anderen die Reden im Vorfeld in Leichte Sprache übersetzt.

 

 

 

Mandy Brösner, Referentin für Leichte Sprache in der Netzwerk Diakonie, erklärte in der ersten Tischrede die Bedeutung der Leichten Sprache als Mittel zu gerechten Teilhabe für alle. „Leichte Sprache hilft beim Verstehen, erklärt Fremdwörter und Fachbegriffe in kurzen, knappen Sätzen mit erklärenden Bildern“, so Mandy Brösner. Über zwanzig Frauen aus den Einrichtungen der Diakonie Mark-Ruhr waren unter den Teilnehmenden und konnten die Reden in Leichter Sprache an Bildschirmen in der Kirche mitverfolgen und nachlesen.

Zweite Rednerin des Abends war die aus TV- und Internet bekannte Bloggerin und feministische Aktivistin Anne Wizorek aus Berlin. Bekannt wurde Anne Wizorek bereits 2013 durch ihre Internetaktion #Aufschrei und 2015/2016 mit dem Hashtack #Ausnahmslos gegen Sexismus und Rassismus. Durch ihre Internetaktionen schürte sie eine breite Debatte um die alltägliche sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen in Deutschland. In ihrer Tischrede „Mein Wort im Netz – Feminismus und Neue Medien“ thematisierte sie die Bedeutung des Internets und der neuen Medien für die aktuelle feministische Diskussion. Wizorek sieht in den neuen Medien eine gute Möglichkeit die Gedanken der älteren Feministinnen, die häufig offline unterwegs sind, mit den Ideen der jüngeren Feministinnengeneration zu verknüpfen. Bei den vielen positiven Aspekten, die die Vernetzung mit sich bringt, erwähnte sie aber auch die Gefahr der Angriffe aus dem Netz. Am Ende ihrer Tischrede appellierte sie: „Ich muss Teil des Wandels sein, wenn ich die Welt verändern will.“ Anschließend diskutierten die Teilnehmerinnen engagiert über die gehörten Thesen.
Dritte Frauenmahl-Rednerin war Smiljana Hesse, Leiterin des vor ca. einem Jahr gegründeten Mädchenhauses „Mäggie“ in Herdecke. Sie stellte in ihrer Rede die Arbeit des Mädchenhauses vor, in dem traumatisierten Flüchtlingsmädchen ein Lebens- und Schutzraum geboten wird. Als Reformatorin „von gestern“ erweckte Kabarettistin Sabine Henke die Frau Martin Luthers zum Leben. Als Katharina von Bora gab sie Einblicke in das Leben mit dem bedeutenden Reformator und in ihre gesellschaftliche und politische Rolle in der Zeit der Reformation. Die einzelnen Gänge des Festmahls wurden von dem Familienunternehmen Nieder aus Ostwig vorbereitet und serviert. Musikalisch gerahmt wurde die Veranstaltung durch Clara Ernst, Kantorin der Ev. Kirchengemeinde Schwerte am Klavier und Gisela Halbach an der Querflöte.

Text: Nicole Richter, IKG
Fotos:Karl Kruschel, Sybille Mann, Nicole Richter, Silvia Rinke, Petra Vennewald

Impressionen vom Frauenmahl 2017 in der St. Viktor-Kirche in Schwerte

Frauenmahl 2015

„Es war das zweite Frauenmahl im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn, aber das erste in Letmathe!“, freute sich Veranstalterin Pfarrerin Ruth Hansen, Frauenreferentin im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn.

Sie hatte, zusammen mit einem breiten Frauen-Bündnis, das Frauenmahl am Freitag, 17.04.2015 organisiert. Superintendentin Martina Espelöer begrüßte die 130 Frauen in der festlich gestalteten Friedenskirche in Letmathe. Viele der Teilnehmerinnen hatten schon von der erfolgreichen Veranstaltungsform „Frauenmahl“ gehört oder gelesen und wollten nun die Gelegenheit nutzen, selbst einmal dabei zu sein. Das Thema des Frauenmahls lautete: „Ich habe genug…“. Vier Rednerinnen aus Politik, Gesellschaft, Kirche und Kunst waren eingeladen, die unterschiedlichen Facetten, die das Thema eröffnet, gedanklich zu entfalten. Erste Rednerin sollte die Autorin des Buches „Glasknochen sucht Therapiehund“, Marianne Metta, sein. Aufgrund einer Erkrankung konnte sie leider nicht persönlich anwesend sein, so dass ihre Rede verlesen und ein Foto von ihr eingeblendet wurde. Ihr Statement „Ich habe genug!“, im Sinne von „Mir reicht es!“, machte deutlich, dass Inklusion im Kopf beginnen muss. Marianne Metta, die aufgrund der Glasknochenkrankheit im Rollstuhl liegt, plädierte dafür, Stigmatisierungen, wie z. B. das Wort „Behinderung“ aufzugeben und stattdessen Inklusion für alle Menschen zu ermöglichen. Inklusion bedeute nicht nur Rollis und Rampen zu bauen, sondern den Abbau von Vorurteilen und Zuschreibungen im Kopf anzugehen – schon im Kindesalter.

Als zweite Rednerin war Dagmar Freitag eingeladen. Sie ist Politikerin und Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie sprach zu dem Aspekt „Habe ich genug Einfluss? Politik zwischen Macht und Ohnmacht“. Als Politikerin verfüge sie über die Macht des Wortes, mit dem sie versuche, andere von einer solidarischen Gesellschaft zu überzeugen. Manchmal gelinge ihr es Einfluss zu nehmen, manchmal seien die Widerstände zu groß und sie müsse politische Kompromisse schließen. Hin und wieder wünsche sie sich mehr Einfluss und Macht, wenn sie z. B. von den Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer höre oder von der unvorstellbaren Gewalt durch islamistische Terrorgruppen. Generell sei sie aber froh, dass das politische System in Deutschland die Macht verteilt und sich der Staat selbst kontrolliert. Denn zu einer einseitigen Machtausübung, wie es in der deutschen Vergangenheit schon einmal war, dürfe es nicht wieder kommen.

Angeregt durch die pointierten Reden, kamen die teilnehmenden Frauen miteinander ins Gespräch und diskutierten u.a. über eigene Erfahrungen mit Inklusion z. B. an Schulen und den Möglichkeiten des eigenen politischen Engagements. Musikalisch gerahmt wurde der Abend durch Querflöten- und Klaviermusik des Frauentrios „Schöne Töne“. Genug zu essen gab es auch. Ein mehrgängiges, vegetarisches Buffet, das durch das Hotel Nieder in Ostwig zubereitet wurde, eröffnete neue Geschmackserlebnisse, von denen frau nicht genug bekommen wollte. 35€ kostete eine Karte für das Frauenmahl, inklusive 4-Stunden Programm, Speisen und Getränke. „Wir wissen, das können sich nicht alle leisten.“, so Beate Jarzombek von der Beratungsstelle der Netzwerk Diakonie Mark Ruhr. Deshalb haben die Organisatorinnen in der Einladung zum Frauenmahl auf die Möglichkeit hingewiesen, eine Patinnenschaft zu übernehmen und so einer anderen Frau, eine Karte zu finanzieren. Zudem gab es ermäßigte Karten für Geringverdienerinnen. „Barrierefreiheit muss auf verschiedenen Ebenen stattfinden“, so Beate Jarzombek, „das fängt bei Vergünstigungen im Eintrittspreis an, geht aber weiter in der Verwendung leichter Sprache bis hin zu einer Atmosphäre des Willkommen- und Angenommenseins.“ Und genau das haben die Organisatorinnen sich zum Ziel gesetzt. So wurden die Reden der Tischrednerinnen im Vorfeld in leichte Sprache übersetzt und per Beamer projiziert. Ziel bei der Verwendung von leichter Sprache ist es, einfache Sätze zu bilden, die Aussage mit Bildern zu unterstreichen, Fremdwörter zu vermeiden und so eine größere Teilhabe von Menschen zu ermöglichen. Die Übersetzung wurde dann von Menschen mit Beeinträchtigungen geprüft und für gut befunden. So konnten u.a. auch die 15 Frauen aus dem Umfeld der Beratungsstelle der Netzwerk Diakonie den Inhalten der Reden barrierefrei folgen. „Wir haben bei der Vorbereitung des barrierefreien Frauenmahls nach neuen Wegen der gerechten Teilhabe gesucht, so dass am Ende alle genug haben“, so Christiane Dietz, Dekanatsreferentin für Jugend und Familie im Dekanat Märkisches Sauerland und eine der Moderatorinnen des Abends.

Die engagierteste Rednerin des Letmather Frauenmahls war die 78-jährige Sr. Lea Ackermann, Gründerin und Vorsitzende des Vereins SOLWODI- Solidarität mit Frauen in Not. Sie plädierte in einer flammenden Rede, geprägt von ihren bedrückenden Erfahrungen einer Keniareise, für die Abschaffung der Prostitution in Deutschland, die globalen Frauenhandel fördere und die Unterdrückung der Frau in der Gesellschaft weiterhin festige. Sie lud die Teilnehmerinnen ein, sich an einer Unterschriftenaktion zu beteiligen, der auch viele folgten. Einen clownesken Abschluss mit klugen Gedanken zum Thema „Ich habe genug…“ inszenierte Gisela Matthiae, Clownin und Theologin. In ihrer Rolle als Adele Seibold lehnte sie sich entschieden gegen das derzeitige gesellschaftliche Frauenbild, der immer fitten, sportlichen, fröhlichen Frau, die jede Herausforderung mit Leichtigkeit meistert und nie gut genug sein könne.

Mit einer Praline und dem Lied „Die Gedanken sind frei“ endete das anregende Frauenmahl. Superintendentin Martina Espelöer dankte der Gleichstellungsstelle der Stadt Iserlohn, der Beratungsstelle der Netzwerk Diakonie Mark Ruhr, dem Dekanat Jugend und Familie Märkisches Sauerland, dem Frauenreferat der EKvW, dem Frauenreferat und -ausschuss des KK Iserlohn und regte an, die gelungene Kooperation für die Planung eines weiteren Frauenmahls zu nutzen.

Impressionen vom Frauenmahl 2015 in der Friedenskirche in Letmathe

Frauenmahl 2013

Erstmals gab es im Evangelischen Kirchenkreis ein Frauenmahl (24. Mai 2013) - mit gutem Essen in angenehmem Ambiente. Anregende Vorträge und Gespräche waren garantiert.

Die Redebeiträge stehen demnächst unter www.frauenmahl.de zum Nachlesen bereit, den Beitrag von Superintendentin Martina Espelöer gibt es hier.

Video vom Schwerter Frauenmahl

Bilder vom Schwerter Frauenmahl 2013