10 Jahre Lydiamesse: Zeitkritisches und viel Kreativität

Schwerte. Mal haben sie den Altarraum in einen blühenden Garten verwandelt, mal leidenschaftlich im Gotteshaus Tango getanzt;  beim letzten Mal am 24. Oktober zogen sie mit mystisch schimmernden, kreisrunden Lampions in die Kirche ein und ließen eine Theologin und Clownin strahlend feixend Faxen machen und eben mal ihren kompletten Handtascheninhalt ausräumen. Immer war und ist die Lydiamesse in der St. Viktor-Kirche Schwerte etwas ganz Besonderes, etwas in Wortes Sinne Be-rührendes, denn das Wichtigste für sehr viele Frauen ist die Salbung als besondere Segnung, die in diesen besonderen Gottesdienst eingebettet ist.

Gastrednerin war die Theologin und Clownin Dr. Gisela Matthiae

"Besonders auf die Salbung freuen sich viele Frauen", weiß auch  Superintendentin Martina Espelöer. "Darauf, sich berühren zu lassen an Leib und an Seele." Zum zehnjährigen Bestehen der Lydiamesse sprach die Superintendentin am Abend des 24. Oktober ein Grußwort und drückte den Organisatorinnen ihren Dank und großen Respekt aus; denn, "es ist schon außergewöhnlich, dass eine Gottesdienstform so lange besteht", unterstrich Martina Espelöer vor Beginn der Jubiläums-Lydiamesse, deren Thema lautete: "Anders klug werden - zehn Frauen machen sich auf den Weg". Auf der Basis des Matthäus-Gleichnisses wurde der Frage nachgegangen: Wie kann Solidarität von Frauen heute aussehen? Denn diese Frauen, über die der Evangelist berichtet, zeigen sich verstörend unsolidarisch ...

Eben darum geht es den Gestalterinnen und Besucherinnen der Lydiamesse.  Kritisch hinterfragen sie aktuelle Themen, greifen Ansätze der feministischen Theologie auf, lassen dabei ihre Kreativität üppig blühen und gern auch überschießen: eine außergewöhnliche Gottesdienstform von Frauen mit frauenspezifischen Themen gestaltet, für Frauen, aber nicht nur, jedermann ist willkommen, und immer wieder kommt auch mal ein Mann oder kommen auch mehrere. Erstmals in zehn Jahren machten sich die Frauen zum Jubiläum auch ein besonderes Geschenk: mit der wunderbaren Theologin und (Kirchen-)Clownin Dr. Gisela Matthiae.

Superintendentin Martina Espelöer: „Ich erbitte heute offene Türen, mutige und kreative Frauen und Männer.“

Die biblische Lydia als Vorbild heute in der Flüchtlingskrise

Superintendentin Martina Espelöer: „Ich erbitte heute offene Türen, mutige und kreative Frauen und Männer.“ Der Synodale Frauenausschuss des Kirchenkreises Iserlohn und die Pfarrerinnen Margret Held und Ruth Hansen riefen die Lydiamesse im Herbst 2005 ins Leben, seither wird sie zweimal jährlich  in St. Viktor gefeiert. Der Name geht auf die Purpurhändlerin Lydia zurück, die in Philippi (dem heutigen Griechenland) lebte und die erste Christin auf europäischem Boden war.

"Sie öffnete ihr Haus für die Menschen aus ihrer Stadt, für die Menschen aus anderen Ländern", erinnerte Superintendentin Espelöer an die selbstverständliche Gastlichkeit dieser offenen, zugewandten Frau. In der Flüchtlingskrise gibt Lydia aktueller denn je Beispiel und Vorbild, unterstrich die Superintendentin: Sehr bewusst floss die Kollekte der Lydia-Jubiläumsmesse dem hochengagierten Arbeitskreis Asyl zu.

"Ich stehe in diesen Tagen nicht so bescheiden vor Ihnen", sagte Martina Espelöer sehr offen und klar. "Ich erbitte heute mehr. Mehr offene Türen, mutige und kreative Frauen und Männer. Nicht allein, aber auch durch unser Wollen lassen sich solche Situationen in den Griff bekommen."

"Anders klug werden" - Frauen (und Männer) machen sich auf den Weg. Ein   Jubiläumsthema, das brennend zeitaktuell nachwirkt.

Text: Silvia Rinke

Eine Übersicht über 10 Jahr Lydiamesse